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Frischfaser- oder Recyclingpapier? der Vergleich!

Recyclingpapier entlastet bekanntermaßen die Umwelt. Unter welchen Bedingungen und auf welche Weise es das im Vergleich zu Primärfaserpapier tut, dazu geben wir hier einen kurzen Einblick. Den aus Hölzern gewonnenen Zellstoff, aus dem knapp 100 % der industriellen Papiere gemacht werden, verarbeitet man allgemein auf zwei verschiedene Arten:

Baumstamm und Druckbögen Vergleich Recyclingpapier
  • Primär- oder Frischfaserpapier

    ist Papier, dessen Zellstoff direkt aus Holz gewonnen wird. Dies geschieht entweder mithilfe des chemischen Verfahrens, aus dem das sog. "holzfreie" Papier gewonnen wird oder dem mechanischen Verfahren, aus dem die "holzhaltigen" Papiere gemacht werden. Im chemischen Verfahren werden Holzschnitzel unter Hochdruck und Einsatz von Chemikalien gekocht, um den Zellstoff herauszulösen. Da das Lignin nicht in einem Aufbereitungsschritt vollständig entfernt werden kann werden im darauf folgenden Bleichverfahren werden Reste des im Holz enthaltenenen Lignin, welches für den Gelbstich im Papier verantwortlich ist, entfernt. Im mechanischen Verfahren wird der Zellstoff durch Zerreiben aus dem Holzverbund herausgelöst. Da "holzfrei" jedoch nichts anderes bedeutet als, dass alle Reste des Lignin chemisch entfernt wurden, ist der Begriff "holzfrei" sehr irreführend.

  • Sekundärfaser- oder Recyclingpapier

    der Begriff umfasst alle Papiere, die aus Altpapier erzeugt werden. Das Alpapier wird zu einen grauen Papierbrei gehäckselt, und danach mehr oder weniger vielfach dem sog. Deinkingverfahren unterzogen, um die alte Druckfarben zu lösen. Dabei wird je nach Weiße-Grad auf verschiedene Methoden und Chemikalien zurückgegriffen. Ausgewiesenes Umweltpapier ist nicht mit Chemikalien behandelt und behält deshalb seinen Grauton. Achten Sie beim Kauf darauf, dass das Papier immer nur so hell ist, wie es wirklich benötigt wird. Je weißer das Recyclingpapier ist, desto aufwändiger und umweltbelastender sind im Vergleich die Aufbereitungsschritte des Recyclingpapiers.

Bleichen

Mit reinem Chlor wird angesichts der Umweltbelastung in Europa kaum mehr Papier gebleicht. Recyclingpapier wird in den meisten Fällen wird "chlorarm" gebleicht, also ohne elementares Chlor, aber mithilfe von Chlorverbindungen (ECF).

Ebenfalls gibt es chlorfrei gebleichte Papiere, welche mithilfe von Sauerstoffverbindungen gebleicht werden (TCF). Dieses Verfahren ist im Vergleich umweltfreundlicher, jedoch ein wenig teurer und erreicht nicht ganz den selben Weißegrad. Diese Art Recyclingpapier im Vergleich dennoch von hochwertiger Qualität und Stabilität. Noch einen Schritt weiter geht man mit chlorfrei gebleichtem Recyclingpapier (PCF). Dies ist wohl die umweltfreundlichste Variante, allerdings kann der Weißegrad weniger genau bestimmt werden, da das Altpapier nicht nach den verschiedenen Bleichprozessen sortiert werden kann.

Recyclingpapier - Siegel / Labels

zu den bekannteren und vertrauenswürdigen Siegeln gehört das "FSC" (Forest Stewardship Council) Siegel. FSC soll für eine ökologische Waldnutzung stehen. Wobei hier der Vergleich verdeutlicht, FSC "100 %", FSC "Recycled" und FSC "Mix" haben sehr verschiedene Ansprüche an das Recyclingpapier. Waldschutz ist nur bei "100 %" und "Recycled" gewährleistet. Der "blaue Engel" steht für 100 % recyceltes Papier. Darüber hinaus müssen 65 % davon aus Altpapier niedriger Qualität stammen, damit eine optimale Ausnutzung des Rohstoffs Holz gewährleistet ist. Es gilt im Vergleich als das vertrauensseligste Label für Recyclingpapier im deutschsprachigen Raum.

Umweltbelastung

Energie- und Wasserverbrauch, der Verbrauch fossiler Rohstoffe, Abwasserverschmutzung, in all diesen Punkten steht Frischfaserpapier dem Recyclingpapier weit nach. Nach Angaben des Umweltbundesamtes spart Recyclingpapier gegenüber Frischfaserpapier bis zu 60 Prozent Energie, bis zu 70 Prozent Wasser sowie CO2-Emissionen und Abfall. Die Produktion einer Tonne Papier benötigt zum Beispiel für die Herstellung eines Frischfaserkopierpapiers genau so viel Energie wie die Herstellung einer Tonne Stahl. Damit ist die Papierindustrie der weltweit fünftgrößte industrielle Energieverbraucher. Hinzu kommen die Transporte von Rohstoffen und Fertigprodukten. Die Schonung der Ressourcen betrifft uns alle. Jeder fünfte gefällte Baum geht in die Papierherstellung, wobei z.B. in Deutschland 80 % des Holzes für Papier importiert werden, meist aus Urwäldern.

Fazit

Vor diesen Hintergründen wird die Notwendigkeit eines sparsamen Umgangs mit Papier deutlich. Die Gewinnung von Recyclingpapier aus Sekundärfaser ist allgemein die effizientere und umweltfreundlichere Variante. Recyclingpapiere sind in den letzten Jahren im Vergleich zu früher qualitativ sehr viel besser geworden und umfassen mittlerweile auch alle Weißstufen und stehen in Stabilität und Gesundheitsgefährdung dem Frischfaserpapier in keiner Weise nach. Verwenden Sie also wenn möglich unbedingt Recyclingpapier.

In jeden Fall gilt:

"think before you print"! Vermeiden Sie überflüssige Drucke, was nicht gedruckt wird, wird gespart. Injekt-Tinten und Flüssigtoner stören die Wiederverwertung von Altpapier zu Recyclingpapier erheblich, was im Löwenanteil auf digital gedruckte Werbesendungen zurückzuführen ist.

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Veröffentlicht: 10.07.2017; zuletzt abgeändert: 07.09.2018; Thema: Umwelt, Recycling, Papier; Autor: Moritz Weber; Beitrag #2
Quellen: www.umweltbundesamt.de, www.umweltinstitut.org, www.br.de